Die Zürcher FDP-Politikerin Yasmine Bourgeois gibt ihr eben erst errungenes Mandat im Gemeinderat wieder ab – nicht wegen eines politischen Skandals, sondern wegen des Wohnungsmarkts. Trotz monatelanger Suche habe sie in Zürich keine bezahlbare und für ihre Familie geeignete Wohnung gefunden, sagte Bourgeois dem «Tages-Anzeiger». Die Schul- und Bildungsexpertin war mit einem Spitzenergebnis in das Stadtparlament gewählt worden, verzichtet nun aber auf den Sitz.
Statt in der Stadt zieht Bourgeois nach Ebmatingen in der Gemeinde Maur, vor den Toren Zürichs. Dort hat sie nach eigenen Angaben eine günstigere Wohnung gefunden. Mit dem Umzug verliert sie gemäss kommunalen Vorgaben ihren Anspruch auf das Mandat in der Limmatstadt. Ihre Nachfolge im Gemeinderat tritt Parteikollegin Brenda Mäder an.
Die FDP nimmt den Fall zum Anlass, grundsätzliche Kritik an der Zürcher Wohnpolitik zu üben. Zürich entwickle sich zunehmend zu einer Stadt, in der selbst der Mittelstand kaum mehr Platz finde, argumentiert die Partei. Sie fordert mehr Wohnungsbau und verweist darauf, dass zusätzliche Angebote die Mieten dämpfen könnten. Bourgeois selbst ist überzeugt, dass Preise sinken, sobald deutlich mehr Wohnungen erstellt werden – klagt aber über Vorschriften und Bürokratie, die den Ausbau bremsten.
Die politische Brisanz des Themas zeigt sich auch in einer jüngsten Umfrage: Demnach leiden besonders junge Menschen zwischen 18 und 35 Jahren sowie die Stadtbevölkerung unter der Knappheit an Wohnungen. Gleichzeitig stösst zusätzlicher Neubau auf Skepsis, weil Grünflächen erhalten bleiben sollen. Während in den Städten eine Mehrheit dafür wäre, verstärkt in die Höhe zu bauen, ist die Zustimmung auf dem Land geringer. Der Rückzug von Bourgeois verleiht dieser Debatte eine konkrete, personelle Dimension – und macht sichtbar, wie eng politische Repräsentation und Wohnort mittlerweile verknüpft sind.